Mark Gemmell: „Hier sind die Herausforderungen an die Technik noch echt“

109
Cockpit-Electric-GT-Racing-Tesla

Dass ein benzinbetriebenes Fahrzeug die 24 Stunden von Le Mans übersteht, überrascht laut Mark Gemmell, CEO von Electric GT, heute niemanden mehr. Ein gutes Beispiel für die Herausforderungen im elektrischen Motorsport ist jedoch die Teilnahme des Mitbegründers der Serie, Agustin Paya, mit einem Elektroauto an der Rallye Dakar. Diese ist mit ihren 300 Kilometer langen Etappen durch weichen Wüstensand und über Hochebenen bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius eine große Herausforderung für jedes Fahrzeug. Aber für ein Elektroauto ist sie noch umso größer.

Doch nicht nur in der Wüste, sondern auch auf klassischen Rennstrecken gibt es zahlreiche Herausforderungen für den elektrischen Motorsport. So arbeitet das Team der Electric GT an den Überhitzungsproblemen, die auch bei kürzlich in Spanien präsentierten Rennversion des Tesla Model S unter Belastung auftreten.

Gute Rundenzeiten zu fahren und dabei keine Überhitzung zu erleiden, gehöre aber auch zu den Fähigkeiten eines guten Fahrers – so gibt Gemmell bei ‚The Verge‘ den Ball wieder an den Piloten zurück. Mit Vittoria Piria und Stefan Wilson wurden bislang zwei Fahrer vorgestellt, 20 bis 30 qualifizierte Fahrer seien zudem an einem Einstieg in die Electric GT interessiert. Aber mit den Piloten zu beginnen, ist für Gemmell der falsche Weg – weil eine Serie auch mit Fahrern immer noch keine Meisterschaft ist.

Teams steigen nicht deshalb ein, weil es interessierte Fahrer gibt. Diese werden sich schon finden. Die Teams sind der Schlüssel zur Meisterschaft, die Organisatoren konzentrieren sich deshalb darauf, Sponsoren zu finden und den Teams etwas Sinnvolles anbieten zu können: ein beeindruckendes und zuverlässiges Fahrzeug, ein passendes Rennformat und Strecken, auf denen die Rennen stattfinden sollen. Und das Ganze zu einem Preis von weniger als einer Million Euro pro Team.

Die Fahrzeuge sollen dabei seriennah bleiben, was Motor, Antriebsstrang, Batterie und Elektronik angeht. Anders sieht es beim Fahrwerk und der Bremsanlage aus – hier werden die Serienteile gegen spezielle Motorsport-Komponenten ausgetauscht. Außerdem wird durch die Verwendung von Karosserieteilen aus Karbon und einer im Motorsport üblichen Reduzierung der Innenausstattung das Fahrzeuggewicht auf ein Minimum gesenkt. Dies ist zwar mit Kosten verbunden, kostet aber nicht annähernd so viel wie die Vorbereitung eines GT-Fahrzeugs. Für die Umbauten ist ein erfahrenes Ingenieursteam beim spanischen Rennstall Campos Racing verantwortlich.

Die Electric GT soll aber keine Tesla-Meisterschaft werden, zumal Tesla selbst die Serie in keiner Weise aktiv unterstützt, sondern lediglich das Einverständnis zur Verwendung der Fahrzeuge gegeben hat. Die Teslas seien momentan die besten der Öffentlichkeit zugänglichen Elektroautos und optimal geeignet, um die Serie damit zu starten. Wenn ein chinesischer Hersteller ein GT-Fahrzeug anbieten würde, dass auf das Performance-Level der Teslas angepasst werden kann, könnten auch diese teilnehmen, so Gemmell.

Aston Martin hat für 2018 einen Elektro-Sportwagen angekündigt. Wenn dieses Modell verfügbar und Aston Martin einverstanden wäre, würden die Organisatoren auch diese Fahrzeuge gerne im Starterfeld sehen. Es muss aber immer sichergestellt sein, dass alle Fahrzeuge auf einem sehr ähnlichen Performance-Level sind. Als sichere Parameter werden hier Leistungsgewicht, die elektromotorische Bremse und die Kurvengeschwindigkeiten genannt.

Nicht nur wegen der Batteriekapazitäten, sondern auch wegen der Spannung sollen die Rennen kurz sein und maximal 40 Minuten dauern, was rund 60 Kilometern oder 15 Runden auf einer normalen Rennstrecke entspricht. Gemmell schließt eine Aufladung der Batterien während des Rennens aus, denn auch mit einem Tesla-Supercharger würde dies zu lange dauern. Eine Vision für die Zukunft ist ein Boxenstopp mit einem automatisierten Batteriewechsel. Aber dies wäre erst dann machbar, wenn mehrere Hersteller und Ingenieursteams in der Electric GT involviert sind.