Electric-GT-Boss Gemmell: „Kein trivialer Prozess“, eine Rennserie zu starten

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Mark-Gemmell-Electric-GT-Monaco-Sportel

Eine neue Rennserie zu gründen, stellt eine große Herausforderung dar. Insbesondere, wenn sie elektrisch sein soll. Mark Gemmell hat sich dieser Herausforderung angenommen und möchte die Electric GT etablieren. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, die nötige Relevanz für Fans zu erzeugen. „Wir beobachten die großen technischen Veränderungen in der Automobilindustrie, und der Motorsport muss ein Teil davon sein“, sagt Gemmell gegenüber ‚e-racing.net‘.

Seiner Meinung nach wird die Verbindung zwischen Motorsport und dem alltäglichen Leben immer unwichtiger, was den Anschein erweckt, dass die Menschen immer weniger an dieser Sportart interessiert sind. Man gewinnt den Eindruck, dass die Technik, die im Motorsport entwickelt wird, die Straßenfahrzeuge nicht mehr erreicht. Dies habe zur Konsequenz, dass die Zuschauer nicht verstehen, weshalb diese Technologien entwickelt werden und warum sie hilfreich sind.

Dass die Electric GT zunächst ein Markenpokal ist, hat einen einfachen Grund: Es existiert bisher schlichtweg kein zweites Fahrzeug, welches es mit dem Tesla Model S aufnehmen kann. „Als wir uns für Tesla entschieden haben, war uns klar, dass sie die einzigen sind, die den Anforderungen genügen. Wir hatten  andere Hersteller eingeladen, jedoch ist die Herausforderung, Tesla zu schlagen, wohl zu beängstigend“, sagt Gemmell. Aber er und sein Team sind zuversichtlich, dass es bald auch einen Kampf zwischen verschiedenen Firmen geben wird.

Manchmal ist es hilfreich, eingetretene Pfade zu verlassen. Mark Gemmell tat dies, indem er die Fahrer vor den Teams nominierte. Mit dieser Strategie, erst die Leute ins Boot zu holen, die die Schwierigkeiten im Rennsport verstehen und etwas daran ändern möchten, hat die EGT einen anderen Weg eingeschlagen. „Sie verstehen, dass sich der Motorsport in einer Krise befindet – sie leben diesen Sport, es ist ihr Job“, sagt Gemmell. An dieser Stelle zahlt es sich vielleicht aus, dass er keinen Motorsporthintergrund hat, sondern einen technischen.

Um Rennen durchzuführen, benötigt man Rennstrecken, klar. Also nahm das Team um Gemmell Kontakt zu den ersten Streckenbetreibern auf und war über die zahlreichen positiven Rückmeldungen überrascht. Sie mögen diese Art von Rennen, erklärt Gemmell. Besonders attraktiv sei eine Eigenschaft, die elektrische Rennserien im Vergleich zu Kategorien mit Verbrennungsmotoren automatisch mit sich bringen: die deutlich geringeren Geräuschemissionen. Denn alle dauerhaften Rundkurse müssen sich an Lärmgrenzen halten. Bis auf eventuelles Reifenquietschen erzeugen Rennserien mit elektrischen Fahrzeugen jedoch keinen nennenswerten Lärm.

Ein weiterer Punkt, weshalb sich Rennstrecken nach neuen Rennserien umschauen, ist der Umstand, dass sich große Events wie die Formel 1 für sie nicht auszahlen. Insbesondere wenn sie an der Veranstaltung nichts verdienen. Somit sind kleinere, besser in den Kalender passende Events meist beliebter. Auch für die Rennserien selbst besitzen dauerhafte Rennstrecken zahlreiche Vorteile. Die Sicherheitseinrichtungen und die Gegebenheiten für die Zuschauer – Tribünen, Anreise- und Parkmöglichkeiten – sind deutlich besser als bei Stadtkursen, wie sie die Formel E verwendet.

Doch bevor man eine neue Rennserie ins Leben rufen möchte, muss man die Hürden der FIA nehmen. Andernfalls werde aus einem Plan A schnell ein Plan B oder auch C, wie die Electric GT am eigenen Leib erfahren musste. „Es ist kein trivialer Prozess“, sagt Gemmell, „die Regularien der FIA zu erfüllen.“ Doch sein Team ist zuversichtlich, dass man allen Anforderungen im späten Frühling oder Sommer 2018 genügen werde.

Neben der Electric GT existieren Pläne, Veranstaltungen mit elektrischen Go-Karts, Motorrädern und Mountainbikes durchzuführen. „Das volle Spektrum an Aktivitäten rund um elektrifizierte Fahrzeuge und Technologien ist durchaus vorstellbar“, so Gemmell. „Derzeit findet eine technologische Revolution statt. Entweder bist auf der falschen Seite der Geschichte, oder nicht – ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass die Menschen mit dieser Serie die richtige Seite wählen.“

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit Silvio Kott.