Lucas di Grassi zieht Electric GT in Erwägung, wenn Audi ihn lässt

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Foto: ABT Sportsline

In welchem elektrischen Flitzer steckte Formel-E-Vizemeister Lucas di Grassi eigentlich noch nicht? Seit dem vergangenen Wochenende zählt jedenfalls auch das rennoptimierte Tesla Model S P85+ der Electric GT dazu. Bei ausgiebigen Tests in Vallelunga (nahe Rom) konnte sich der Audi-Fahrer in mehr als 20 Runden ein Bild vom EGT-Fahrzeug machen. Allerdings nicht von der finalen Variante, dem Model S P100DL, sondern von deren Vorgänger.

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Die Optimierung des Tesla sei zu großen Teilen sehr gelungen, erklärt di Grassi bei ‚Autosport‘. Nichtsdestotrotz fand er auch einige Verbesserungsvorschläge für die EGT-Ingenieure. Di Grassi ist Fan neuer Technologien: Als Fahrer der ersten Stunde in der Formel E und begeisterter Unterstützer von Roborace ließ sich der Brasilianer nicht zweimal bitten, in den P85+ zu steigen.

Seine Meinung ist klar: Die Electric GT hat das Potenzial, eine große Serie zu werden. „Wie bei jeder anderen Technologie will ich beteiligt sein und verstehen, was sie erreichen wollen“, sagt di Grassi. Der Audi-Pilot berichtet von einem sehr beweglichen Auto, das sein hervorragendes Fahrverhalten der guten Gewichtsverteilung zu verdanken hat.

Das meiste Gewicht befindet sich direkt über dem Boden und verleiht dem Auto einen sehr niedrigen Schwerpunkt – genau das, was ein Rennwagen braucht, so di Grassi. Auch hob er die effiziente Aerodynamik hervor und berichtete von einem Fahrzeug mit wenig Abtrieb, das dank der sehr weichen Reifen von Pirelli hervorragenden mechanischen Grip habe.

di grassi egt rom

Neben den lobenden Worten für den Tesla ging er auch auf die Temperaturprobleme von batteriebetriebenen Elektro-Rennern ein: „Das Problem ist, dass das Auto thermische Einschränkungen hat. Sie können ein sehr schnelles Auto auf einer Qualifying-Runde haben, dann geht es für 15 oder 16 Runden zurück auf Nennleistung“, so der Brasilianer.

Die Handlungsempfehlung geht deshalb klar an die Ingenieure der Electric GT: „Die Herausforderung besteht darin, so schnell wie möglich zu fahren, ohne den Motor zu überhitzen“, so di Grassi, der das Temperaturproblem bestens aus der Formel E kennt.

P85+ vs. P100DL

Auch äußerte sich di Grassi zum aktuellen Modell P100DL, welches das Fahrzeug sein wird, das in der ersten Electric-GT-Saison zum Einsatz kommen wird. Der P85+ war lediglich das erste Entwicklungsfahrzeug der EGT und wurde vor einiger Zeit durch den P100DL ersetzt. Der P85+ ist heckangetrieben und hat eine Spitzenleistung von 380 kW (509 PS). Durch den „Race Trim“ bleibt am Ende jedoch nur rund die Hälfte übrig.

Der P100DL hingegen besitzt einen Allradantrieb. Er hat eine Spitzenleistung von 585 kW (784 PS), während die Nennleistung 380 kW (509 PS) beträgt.

Di Grassi glaubt, dass „das neue Auto mit seinen Eigenschaften garantiert so schnell wie ein GT3-Auto wird. Er rechnet mit einem ähnlichen Leistungsverhältnis wie bei LMP2-Autos. Dies würde die Electric GT in einen Topf mit den Super-GT-Wagen der GT 500 werfen, die sich laut einer Untersuchung von ‚Autosport‘ als die weltweit schnellsten GT-Autos im vergangenen Jahr erwiesen haben.

„Das neue Auto ist viel besser geeignet für die Hochleistungsläufe“, prophezeit di Grassi. „Es gibt mehr Kühlung, und alles ist besser dimensioniert. Es kann das schnellste GT-Auto da draußen über eine einzige Runde sein, aber nicht auf eine ganze Rennendistanz gesehen. Man muss das Eintreten thermischer Probleme und das Battriemanagement verbessern“, so der ABT-Fahrer. Zudem bemängelte er auch die ausbaufähige Aerodynamik des neuen Modells. Ein gutes Abtriebspaket sei nötig.

Im Bezug auf eine mögliche Konkurrenzsituation mit der Formel E positionierte sich di Grassi auch sehr klar. Er glaubt, dass die Electric GT und Formel E leicht koexistieren können, weil „das eine mit dem anderen nichts zu tun hat“. Das Verhältnis sei „vergleichbar mit GTE und Formel 1 oder LMP1“, so der Brasilianer.

Di Grassi könnte Electric GT fahren

Lucas di Grassi sagt nach seinem EGT-Test außerdem, dass er gern an der Meisterschaft teilnehmen würde, wenn Audi ihm dies erlaubte. Er fügt hinzu: „Es wäre schön, der erste Sieger eines elektrischen Formel-Rennens zu sein (nach seinem Triumph beim Formel-E-Debüt am 13. September 2014) und dann auch noch in dieser Serie.“

Lucas di Grassi wäre sicherlich eine riesige Aufwertung für das Line-up des aktuellen Fahrerpools der Electric GT. Alle bis dato bekanntgegebenen Fahrer der ersten Saison findet ihr hier.